Das Rapperswiler Pilgerfresko

Das Fresko vom Rapperswiler Künstler Josef Vollenweider ist mein allerliebstes Pilgerbild.

Es zeigt in stilisierter Form den Weg von Rapperswil nach Einsiedeln. Der Weg führt über den Holzsteg am Heilighüsli vorbei nach Hurden/ Pfäffikon. Anschliessend folgt der Aufstieg zum St. Meinrad. Bis Einsiedeln, zur Gnadenkapelle mit der Madonna im Strahlenkranz ist es dann nicht mehr weit.

Der äussere Pilgerweg ist  immer nur ein Hilfsmittel zur Erfahrung einer anderen Realität. Dieses Bild eignet sich in besonderer Weise für eine tiefenpsychologische Interpretation dieser anderen Realität, des inneren Pilgerweges. Das Fresko ist ein archetypisches Bild für den pilgernden Menschen.

 

 

Der Weg nach Santiago wurde immer als Einweihungsweg in die drei grossen Abschnitte der mystischen Tradition verstanden: Läuterung, Tod und Auferstehung (Neugeburt).

 

Läuterung

Der Holzsteg über den See und das "Heilighüsli" sind zwei starke Symbole für das, was der Pilger auf seinem Weg erlebt. Beim Übergang von der materiellen in die geistig-spirituelle Welt kommt der Pilger mit dem Heilenden und Heiligen, dem Göttlichen in Berührung ("Heilighüsli"). Der Weg in die neue, spirituelle Welt verlangt "not-wendig" die Auseinandersetzung mit der eigenen Seele und dem Unbewussten. Das Wasser gilt in der Tiefenpsychologie als Symbol des Unbewussten. Der Pilger muss über sein Leben nachdenken und es neu ordnen. Der Holzsteg über den See ist ein schönes Bild für diesen Transformations- und Reinigungsprozess. Christen verwenden für diesen Prozess oft den Begriff der Läuterung.

 

Tod

Wenn der Pilger sich geläutert hat, ist er noch lange nicht erleuchtet. Die Pilgerschaft führt den Menschen fast immer an einen Punkt, wo es anstrengend und mühsam wird. Der Pilger muss den Berg hinauf (im Bild symbolisiert durch den Etzel). Es beginnt der Leidensweg, eine Krisenzeit, die u.a. auch zur Auseinandersetzung mit dem Tod führt. Der Berg, der überwunden werden muss, ist sein "Ölberg". Unweigerlich bringt es der (Kreuz-)weg mit sich, dass Altes zurückgelassen und sterben muss, damit neues Leben entstehen kann.

 

Auferstehung

Erst wenn der Leidensweg vorbei und die Krise überwunden ist, wird eine andere, neue Kraft spürbar. Der Pilger wird neu geboren (Auferstehung), indem er ein neues Bewusstsein entwickelt. Er hat durch die Leidenszeit gelernt, mit andern Augen zu schauen und erkennt nun das Göttliche in sich und in der Welt. Die runde mandalaförmige Darstellung der Maria im Strahlenkranz ist ein wunderbares Symbol der Ganzheit und Sinnbild für das Erkennen des Göttlichen, das Ziel jeder Pilgerreise ist.

 

Diesen Wachstumsprozess von Läuterung, Tod und Auferstehung erleben wir in unserem Leben immer wieder neu.

Es ist hilfreich, sich an diese Lebensphasen immer wieder zu erinnern. Wenn es uns ganz gut geht, aber auch wenn wir durch eine Krisenphase gehen.

 

 


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