|
Beim
Rubikon-Modell von Heckhausen (1989) und Gollwitzer (1990) handelt
es sich um ein motivationspsychologisches Modell zielrealisierenden
Handelns. Dieses Modell erlaubt es, ein Handlungsziel, etwas,
das ein Mensch gerne tun würde, auf seiner Reise durch die
Zeit zu begleiten. Es gibt einen Überblick über die
verschiedenen "Reifungsstadien", die ein Wunsch, ist
er einmal im Bewusstsein aufgetaucht, durchlaufen muss, bis der
betreffende Mensch soweit mobilisiert, motiviert und aktiviert
ist, damit dieser Wunsch zum Ziel wird, mit Willenskraft verfolgt
und aktiv in Handlung umgesetzt wird.
Heckhausen
hat eine schlüssige und wissenschaftlich gut abgesicherte
Beschreibung der Entwicklung von Handlungszielen vorgelegt, die
Laien wie professionellen BeraterInnen dabei hilft, die richtige
Route zu finden. Den Begriff des Rubikon wählte Heckhausen
in Anlehnung an Julius Caesar, der im Jahre 49 vor Christus mit
den Worten "alea jacta est" (lat: der Würfel ist
gefallen), kundtat, dass er nach einer Phase das Abwägens
den Entschluss gefasst hatte, mit seinen Soldaten einen Fluss
mit dem Namen "Rubikon" zu überschreiten, und der
damit einen Krieg begann. Die Rubikon-Metapher wurde gewählt,
um "die Grundprobleme einer jeden Motivationspsychologie,
nämlich die Wahl von Handlungszielen einerseits und die Realisierung
dieser Ziele andererseits" (Gollwitzer, 1991, S. 39) zu analysieren.
Mit anderen Worten: "Welche Karriere müssen Wünsche
durchlaufen, damit sie effektiv in relevante Handlungen umgesetzt
werden können?" (Gollwitzer,1991,
ebenda). Diese 'Karriere' beginnt mit einem (bewussten) Motiv,
geht dann, sofern es gelingt, den 'Rubikon' zu überqueren,
in eine von Entschlossenheit charakterisierte Intention
über. Auf sie aufbauend folgt eine sog. 'präaktionale
Vorbereitung', in der die Planungen und Maßnahmen erfolgen,
um abschließend die angezielte Handlung auszuführen.
Aus
motivationspsychologischer Sicht geht Kuhl (2001) davon aus, dass
jedem bewusst gewordenen Motiv ein unbewusster "Bedürfniskern"
(S. 553) zugrunde liegt. Ebenso geht neurowissenschaftliche Theoriebildung
davon aus, dass die Grundlage der Motivbildung in unbewusst verlaufenden
Prozessen zu suchen sein muss. "Das unbewusste, limbische
Erfahrungsgedächtnis lenkt - hierin ist Freud zweifellos
zuzustimmen - unser Handeln stärker als unser bewusstes Ich;
es äussert sich als Motive, Zu- und Abneigungen, Stimmungen,
Antriebe, Wünsche und Pläne, die als relativ diffus
und detailarm empfunden werden" (Roth, 2001, S. 373). In
diesem Sinne sollte nach Grawe (1998) der Stufe des bewusst gewordenen
Motivs eine Stufe, welche die unbewussten und vorbewussten Bedürfnisse
beinhaltet, vorgeschaltet werden. Dieser Anregung folgend, haben
wir das ursprünglich vierstufige Modell, das mit einem (bewussten)
Motiv beginnt, um eine fünfte Stufe ergänzt. Sie beinhaltet
das unbewusste (oder zumindest wenig bewusste) Bedürfnis,
welches dem (bewussten) Motiv als vorangehend oder zugrundeliegend
angenommen wird.
(Text: Maya Storch)
|