| Zenweisheiten
aus dem Buch "Als Christ Buddhist" von Niklaus Brantschen |
| Berge
werden nicht bezwungen, sondern bestiegen: Schritt für Schritt, Atemzug um
Atemzug. Nur wer gleichmässig geht, ruhig atmet und regelmässig Pausen
macht, gewinnt an Höhe und gelangt zum Ziel. | Atem
ist Leben. Er verbindet uns mit allem, was ist. Im Atem fallen Innen- und Aussenwelt
zusammen - und werden eine Welt. |
| Neben
der mentalen und emotionalen Intelligenz gibt es auch eine spirituelle Intelligenz
zu entfalten, am besten durch eine Meditationsweise, die eine umfassende Selbst-
und Welterfahrung, eine tiefe Sicht der Wirklichkeit ermöglicht. | Spirituelle
Uebungen sind einfach und wiederholbar wie das Anrufen des Namens Jesu: einfach
und wiederhobar wie das Achten auf den Atem; einfach und wiederholbar wie ein
Schritt beim Gehen zwischen zwei Meditationen. |
| "Stille
Sitzen" ist nicht nur eine "Vorübung" für andere Weisen
der Meditation wie Wort-, Bild-, Musikmediation; die Uebung im Sitzen hat einen
Wert in sich. | Beim
Zazen hin- und herrutschen und sich bewegen heisst, vom Regen in die Traufe gehen,
ja sogar in Teufelsküche geraten: die Schmerzen werden grösser, die
Gedanken werden Legion und man gerät gänzlich aus dem Lot. |
| Wo
ein Weg, da ein Wille. Wo ein Ziel, da ein Gehen. Ungezieltes Arbeiten macht müde
und matt. |
Hetze entsteht dort, wo ich etwas Unangenehmes rasch hinter mich bringen will,
um für angenehmere "wichtigere" Sachen Zeit zu haben. Aber gibt
es etwas Unwichtiges, wenn ich es von innen her tue und keine Distanz mehr besteht
zwischen dem, was ich bin, und dem, was ich tue! |
| Nur
wer das Lieben liebt, ist bereit sich dafür zu engagieren; nur wer Frieden
erfährt, ist bereit, sich dafür einzusetzen. |
Wer sagt: ich meditiere "immer", muss sich fragen lassen: Meditierst
du auch gelegentlich? Um immer in einer meditativen Haltung zu sein, muss man
diese Haltung zu bestimmten Zeiten einüben. |
| Der
Mensch ist nicht was er "macht", er ist nicht was er hat, er ist nicht,
was er "ist", er ist was er liebt. | Eins
sein mit allem, was ist. Wie macht man das ? Machen kann man das nicht. Aber üben,
üben ! |
| Zen
ohne Religion ist kein Gift, aber auch keine wirksame Medizin. | In
den Tagen der tiefen Sammlung und Stille kann sich melden, was sonst übertönt
und damit überhört wird. |
Was
haben wir mit dem Wort Gottes gemacht! Wie sehr haben wir es besprochen, kommentiert,
zerredet. Ein Wort der Bibel kann Leben wecken und uns verändern. Ein einziges
Wort genügt. | Es
empfiehlt sich, Zen zu praktizieren wie Kinder, aber als Erwachsene. Es empfiehlt
sich Zen zu praktizieren wie Tiere, aber auf menschliche Weise. |
| Ziel
der Zen-Schulung ist nicht, den Lehrer oder irgendeinen alten Meister zu kopieren.
Das wäre ein schlechtes Zeugnis für die Meister. Gute Meister bringen
"Originale" hervor und keine Kopien. | Politische
Aktionen haben dann am ehesten Erfolg, wenn sie gewaltfrei sind und sie sind umso
eher gewaltfrei, als sie spirituell motiviert sind. |
| Zen
und andere spirituelle Wege, die diesen Namen verdienen, sind nicht Selbstzweck.
Sie führen nach innen und nach aussen, zu sich und zur Welt, ins private
und ge-sellschaftliche Leben. Es ist wie beim Atem. Wer nur ein-atmet, erstickt;
wer nur ausatmet kommt ausser Atem und verliert sich im Betrieb. | To
be present = to be a present. Präsent sein heisst, für andere ein Präsent
sein - ein Geschenk. |