| Von
meinem Sohn Matthias habe ich zu Weihnachten ein wunderbares Buch von Anselm Grün
erhalten. Es heisst "Zeiten der Stille" und ist im Claudiusverlag erschienen.
Einer, der vielen guten Texte dieses Buches möchte ich dir zum Jahresbeginn
schicken: "Stille
ist Reinigung und Stille ist Loslassen. Loslassen ist gleichsam ein Sterben. Wir
halten uns gerne an irgendet-was fest. Wir wollen uns selbst nicht loslassen.
Doch indem ich schweige und auch nicht über mich nachdenke oder um mich kreise,
verzichte ich auf das Ego, das sich immer in den Mittelpunkt stellt. Im Schweigen
lasse ich mich selbst los. Vor allem für die buddhistische Tradition ist
dieses Loslassen des Egos die eigentliche Auswirkung der Stille und zugleich die
Voraussetzung, wirklich still zu werden. "Wir müssen in unserem
Innern nach Frieden suchen, nicht in der Aussenwelt. Ist man innerlich still geworden,
sieht man, dass es kein Selbst gibt. In den Tiefen des Ozeans gibt es keine Wellen,
dort herrschen Stille und Ruhe. Genauso verhält es sich mit einem Menschen,
der inneren Frieden erlangt hat. Er ist still, frei vom Verlangen etwas festzuhalten.
Er hat die Fundamente des Selbst losgelassen und lässt Stolz und Begehren
nicht mehr aufkommen." (Gautama Buddha) Nur wer sich selbst loslässt,
bleibt innerlich lebendig. Unsere Welt ist vom Lärm geprägt.
Es ist nicht nur der Strassenlärm oder der Lärm des Radios oder des
Fernsehers, der aus den Wohnungen nach aussen dringt. Auch unsere Kultur ist laut
geworden, der Medienrummel ist allgegenwärtig. Viele Menschen leben davon,
sich selbst darzustellen. Sie sind laut, auch wenn sie nicht sprechen. Immer sind
sie auf ihre Wirkung bedacht. Stille würde unserer Gesellschaft
eine andere Qualität vermitteln. Sie würde sie in die Wahrheit führen.
Das oberflächliche Gerede könnte verstummen. Schon Sören Kirkegaard
hat zu seiner Zeit er-kannt, dass das wichtigste Heilmittel für die Gesellschaft
das Schweigen ist. Wenn ihn jemand nach dem wirksamsten Medikament für die
Krankheiten seiner Zeit fragte, würde er sagen: "Schafft Schweigen!"
Und ebenso hat es schon Jahrhunderte vor ihm Laotse gefordert. Für ihn die
Schweigen die Voraussetzung, dass wir zu den Wurzeln des Seins zurückkehren
und dass sich die Dinge und Gedanken klären: "Schaffe Leere bis zum
Höchsten! Wahre die Stille bis zum Völligsten! Alle Dinge mögen
sich dann zugleich erheben. Ich schaue, wie sie sich wenden. Die Dinge in all
ihrer Menge, ein jedes kehrt zurück zu seiner Wurzel. Rückkehr zur Wurzel
heisst Stille. Stille heisst Wendung zum Schicksal. Wendung zum Schicksal heisst
Ewigkeit. Erkenntnis der Ewigkeit heisst Klarheit." In
diesem Sinne wünsche ich dir für das Jahr 2007 leise Töne und genügend
Stille für klare Gedanken und neue Erkenntnisse. |