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Bruno Kunz
Psychologe FH
dipl. Laufbahnberater

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Von meinem Sohn Matthias habe ich zu Weihnachten ein wunderbares Buch von Anselm Grün erhalten. Es heisst "Zeiten der Stille" und ist im Claudiusverlag erschienen. Einer, der vielen guten Texte dieses Buches möchte ich dir zum Jahresbeginn schicken:

"Stille ist Reinigung und Stille ist Loslassen. Loslassen ist gleichsam ein Sterben. Wir halten uns gerne an irgendet-was fest. Wir wollen uns selbst nicht loslassen. Doch indem ich schweige und auch nicht über mich nachdenke oder um mich kreise, verzichte ich auf das Ego, das sich immer in den Mittelpunkt stellt. Im Schweigen lasse ich mich selbst los. Vor allem für die buddhistische Tradition ist dieses Loslassen des Egos die eigentliche Auswirkung der Stille und zugleich die Voraussetzung, wirklich still zu werden.

"Wir müssen in unserem Innern nach Frieden suchen, nicht in der Aussenwelt. Ist man innerlich still geworden, sieht man, dass es kein Selbst gibt. In den Tiefen des Ozeans gibt es keine Wellen, dort herrschen Stille und Ruhe. Genauso verhält es sich mit einem Menschen, der inneren Frieden erlangt hat. Er ist still, frei vom Verlangen etwas festzuhalten. Er hat die Fundamente des Selbst losgelassen und lässt Stolz und Begehren nicht mehr aufkommen." (Gautama Buddha) Nur wer sich selbst loslässt, bleibt innerlich lebendig.

Unsere Welt ist vom Lärm geprägt. Es ist nicht nur der Strassenlärm oder der Lärm des Radios oder des Fernsehers, der aus den Wohnungen nach aussen dringt. Auch unsere Kultur ist laut geworden, der Medienrummel ist allgegenwärtig. Viele Menschen leben davon, sich selbst darzustellen. Sie sind laut, auch wenn sie nicht sprechen. Immer sind sie auf ihre Wirkung bedacht.

Stille würde unserer Gesellschaft eine andere Qualität vermitteln. Sie würde sie in die Wahrheit führen. Das oberflächliche Gerede könnte verstummen. Schon Sören Kirkegaard hat zu seiner Zeit er-kannt, dass das wichtigste Heilmittel für die Gesellschaft das Schweigen ist. Wenn ihn jemand nach dem wirksamsten Medikament für die Krankheiten seiner Zeit fragte, würde er sagen: "Schafft Schweigen!" Und ebenso hat es schon Jahrhunderte vor ihm Laotse gefordert. Für ihn die Schweigen die Voraussetzung, dass wir zu den Wurzeln des Seins zurückkehren und dass sich die Dinge und Gedanken klären: "Schaffe Leere bis zum Höchsten! Wahre die Stille bis zum Völligsten! Alle Dinge mögen sich dann zugleich erheben. Ich schaue, wie sie sich wenden. Die Dinge in all ihrer Menge, ein jedes kehrt zurück zu seiner Wurzel. Rückkehr zur Wurzel heisst Stille. Stille heisst Wendung zum Schicksal. Wendung zum Schicksal heisst Ewigkeit. Erkenntnis der Ewigkeit heisst Klarheit."

In diesem Sinne wünsche ich dir für das Jahr 2007 leise Töne und genügend Stille für klare Gedanken und neue Erkenntnisse.