Die
Erfahrung des Camino ist so komplex und gleichzeitig so einfach, so sorgenfrei
und auch voller Angst, dass man sie nicht angemessen beschreiben kann. Man muss
sich selber auf den Weg machen. Je
mehr ich in den besonderen Raum des Camino hineinschreite, umso reicher finde
ich ihn in seinen klaren Resonanzen, umso mehr lerne ich über die Wahrheit meines
Lebens. Der
Camino ist nur jenen zugänglich, deren Füsse auf dem Boden sind. Wenn du auf dem
Camino sein möchtest, musst du aus deinem Auto aussteigen, deine Schuhe schmutzig
machen, von Schweiss durchnässt werden, vom Regen kalt und nass sein. Du musst
müde im Refugio ankommen. Dann wirst du die Freuden des Camino erleben.
(Lee Hoinacki) Der
Weg ist wie der Lebensweg. Was wichtig ist, ist ihn zu gehen, immer vorwärts,
jeder nach seinem Rhythmus, jeder nach seinen Möglichkeiten. Auf dem Camino wie
im Leben musst du gehen und beobachten, was dich umgibt, die Leute, denen du begegnest....
Du entdeckst den Wert der Beständigkeit, der Anstrengung, der Befriedigung des
Ankommens, des Erreichens von dem, was du dir vorgenommen hattest. Im Leben brauchst
du Unterstützung, du brauchst Menschen, die dir eine Hand reichen, mit denen du
deine Erfahrungen teilen kannst, und deine Probleme. Auf dem Camino entdeckst
du all dies. Der
Weg ist der Pilger. Der Weg bist du. Der Weg ist Licht und Schatten, Einsamkeit
und Gemeinschaft, Schmerz und Lächeln, Blasen und Illusion. Vergiss das nicht
Pilger. Das
Glück hat nichts mit schlechterem oder besserem Camino zu tun. Weder "Glück"
noch "besser" haben irgendeinen Sinn. Mein Verhalten sollte in respektvoller
und wachsamer Bewusstheit bestehen, einer lebhaften, umsichtigen Offenheit dem
gegenüber,was ist. Pilgerweg
ist nicht Sache von Wochen, erwartungsvoll pilgern ist Inhalt des Lebens. Dass
Gott in mir lebt, durch mich die Welt verwandelt, das zu erfahren braucht endlosen
Atem. (Elmar
Theodor
Körner) Wer
den Camino geht, präsentiert das menschliche Leben, macht an einem Beispiel verdrängte
Menschlichkeit wieder offenbar. Die Caminowanderer streben die Chancen an, zumindest
in ihrem konkreten Projekt als Höhepunkt ihres Lebens Lebenssinn zu versinnlichen.
(Heinrich Kanz) Manchmal
verlangt das Leben grosse Tapferkeit und es ist noch lange nicht die grösste alleine
nach Santiago zu pilgern. (Dorothea Braun) Wegweiser
für den existenziellen Pilger: Befreiung vom Ich, Verzicht auf das Unwesentliche,
Hinwendung zum Unvergänglichen. | Warum
der zunehmede Wunsch, oft zu Fuss unterwegs zu sein? Beim Gehen kommt die
Seele mit. Gedanken und Gefühle bekommen Zeit, den richtigen Platz in meinem
Innern zu finden. Oder sie verblassen und verlieren ihr Gewicht. Das Gehen bringt
das rechte Mass
und
den gesunden Rhythums
(Bruno
Dörig)
Die
Ausrichtung auf Santiago de Compostela als äusseres und inneres Wegziel stützt
mit jeder Wegmarkierung das Vertrauen, dass der eigene Lebensweg nicht absurd
ist, nicht Irrlichtern folgt. (Paul Hüster)
Nur das Erleben
ist uns Zeitgenossen gemeinsam. Doch in der Deutung der Welt bleibt jeder für
sich und nicht einmal Gott für uns alle.. Der Camino ist mal Feldweg, mal
Autostrasse, in den Städten auch mal eine gepflasterte Gasse wie andere Strassen
und Wege auch. Und doch ist der Camino dem Namen nach schlicht "der Weg".
Die Einstellung und die religiöse Erwartung in dem er gegangen wird, geben ihm
seine Weihe und machen ihn zum Weg der Wege. (Paul Hüster)
Die alten
Pilgerwege sprechen tief menschliche, religiöse Bedürfniss an. Wir merken,
es gibt noch andere Wege als die abgefahrenen und ausgetretenen. Wenn wir den
Weg unter die Füsse nehmen, hat der Weg Zeit uns zu prägen. Wir erleben jedes
Wegstück voller Achtsamkeit, Herz und Seele können bei den Dingen verweilen, die
der Weg offenbart. Zu einem fernen Ziel unterwegs sein und zugleich den Weg voller
Gegenwärtigkeit und Achtsamkeit gehen und leben, das ist Pilgerschaft. (Theo
Bächtold)
Pilger
ist einer, der geht und sucht. Ein
Pilger sollte Durst haben. Durst nach Gott, Durst sich selber zu erkennen, Durst
nach den andern.....das bringt uns auf den Weg. El
camino es fe, sudor y esperanza (Der Camino
ist Glaube, Schweiss und Hoffnung) Eintrag in einem Gästebuch eines Refugios
Bin
ich durch die Reise ein anderer geworden? Hat sich ein sichtbares Wunder
vollzogen, eine übernatürliche Veränderung der Seele? Nein! - aber ich glaube,
dass ich durch diese Reise einen neuen Weg entdeckt habe und erkennen kann, dass
das Leben bereits ein Wunder ist. Es ist das Erkennen, dass der Weg zum Wesentlichen,
also zu Gott, erfüllender ist, als nach Schätzen zu streben, die vom Wesentlichen
ablenken. Meine Erfahrung: es war ein Weg der kleinen Veränderungen, der kleinen
Erleuchtungen, die allesamt bestätigen, dass es tiefen Grund für die grosse Sehnsucht
gibt. Das
Geheimnis des Camino ist die Intensität des Erlebens. (Paul Hüster)
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